{"id":745,"date":"2024-04-15T16:07:18","date_gmt":"2024-04-15T14:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/bruchsal-bergfried.de\/?page_id=745"},"modified":"2024-04-17T22:05:40","modified_gmt":"2024-04-17T20:05:40","slug":"ludwig-haas-und-ludwig-marum-zwei-fruehere-bruchsaler-gymnasiasten-als-leitfiguren-der-demokratiegeschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/?page_id=745","title":{"rendered":"Ludwig Haas und Ludwig Marum &#8211; zwei fr\u00fchere Bruchsaler Gymnasiasten als Leitfiguren der Demokratiegeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vortrag der Historikerin Dr. Monika Pohl er\u00f6ffnet neue historische Perspektiven f\u00fcr Bruchsal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" width=\"283\" height=\"425\" src=\"https:\/\/bruchsal-bergfried.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Marum.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-750 size-full\" srcset=\"https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Marum.jpg 283w, https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Marum-200x300.jpg 200w, https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Marum-100x150.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size\">Die Person <strong>Ludwig Marum<\/strong> ist derzeit in Bruchsal in vieler Munde, nachdem die Badische Landesb\u00fchne ihn k\u00fcrzlich in dem Theaterst\u00fcck von Hajo Kurzenberger \u201eLudwig Marum \u2013 Der Mann des Rechts\u201c aus der historischen Versenkung geholt hat. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Marum Ende des 19. Jahrhunderts im Bruchsaler Schloss-Gymnasium, dem Vorl\u00e4ufer des heutigen Sch\u00f6nborn-Gymnasiums, sein Abitur ablegte, bevor er Jura studierte.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" width=\"283\" height=\"425\" src=\"https:\/\/bruchsal-bergfried.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Haas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-751 size-full\" srcset=\"https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Haas.jpg 283w, https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Haas-200x300.jpg 200w, https:\/\/demokratiegeschichte-bruchsal.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ludwig-Haas-100x150.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size\">In der vergangenen Woche hat die Karlsruher Historikerin Dr. Monika Pohl in einem Vortrag f\u00fcr die Fernuniversit\u00e4t Hagen, der auch online \u00fcbertragen wurde, jetzt auch einen zweiten fr\u00fcheren Sch\u00fcler dieses Gymnasiums gew\u00fcrdigt, der dort etwa ein Jahrzehnt vor Ludwig Marum sein Abitur machte, bevor auch er Jura studierte: <strong>Ludwig Haas.<\/strong> <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Und beide wurden sp\u00e4ter bedeutende Politiker in Baden und im Berliner Reichstag, von denen die Referentin eingangs erkl\u00e4rte: \u201eSowohl Haas als auch Marum k\u00f6nnen als Leitfiguren des demokratischen Lagers ihrer Zeit gelten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es g\u00e4be wohl kaum zwei Politiker, die so viele Parallelen in ihrem Lebenslauf zu verzeichnen h\u00e4tten wie Haas und Marum, erkl\u00e4rte die 2. Vorsitzende des Karlsruher Forums Ludwig-Marum e.V., denn beide Ludwigs waren j\u00fcdischer Abstammung und geh\u00f6rten zu b\u00fcrgerlichen Kaufmanns-Familien. Beide waren Sch\u00fcler des Bruchsaler Gro\u00dfherzoglich-Badischen Gymnasiums, studierten dann Jura und waren Mitglieder derselben j\u00fcdischen Studentenverbindung Badenia in Heidelberg, die das Judentum selbstbewusst gegen die antisemitischen Studentenkorporationen verteidigte. Beide f\u00fchrten sp\u00e4ter in Karlsruhe erfolgreiche Anwaltskanzleien \u2013 Ludwig Haas seit 1902, Ludwig Marum seit 1908 -, bevor sie in die Politik eintraten. Beide waren als Repr\u00e4sentanten des assimilierten j\u00fcdischen Bildungsb\u00fcrgertrums bestens in die deutsche Gesellschaft, vor allem in die Karlsruher Stadtgesellschaft integriert und \u201ehegten eine Leidenschaft f\u00fcr die Politik, den Willen zur politischen Mitgestaltung\u201c. \u00dcber den Karlsruher Stadtrat f\u00fchrte ihre jeweilige politische Karriere dann \u00fcber die Badische St\u00e4ndeversammlung in den Reichstag von Berlin, schlie\u00dflich zur Weimarer Nationalversammlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wesentlichen Unterschiede der beiden: Ludwig Marum war Mitglied der Sozialdemokraten, Ludwig Haas war bei den Liberalen. Und damit waren sie in politischen Lagern, die sich eigentlich spinnefeind gegen\u00fcber standen. Die beiden Rechtsanw\u00e4lte aus Karlsruhe aber setzten sich in ihren jeweiligen Parteien aber f\u00fcr eine \u00dcberwindung dieser Grenzen ein und f\u00fcr eine Art erster \u201esozialliberaler Parteien-Koalition\u201c in der Geschichte Deutschlands. Ludwig Hass sagte dazu: \u201eUnsere wirtschaftliche Existenz, die Entfaltung unserer Industrie, die Lage der Arbeiterschaft, der demokratische Ausbau Deutschlands, die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Religion, alles h\u00e4ngt davon ab, ob der Liberalismus und die Arbeiterdemokratie den taktischen Anschluss aneinander finden.\u201c In dieser Einstellung traf er sich mit Ludwig Marum, der innerhalb der Sozialdemokratie f\u00fcr den Weg der Reformen eintrat und anstelle des Klassenkampfes das B\u00fcndnis mit b\u00fcrgerlich-demokratischen Kr\u00e4ften suchte. Marums Credo: \u201eWir Sozialdemokraten sind keine Materialisten, sondern Idealisten, Menschen, die einem Ideal nachjagen. Freiheit, Gerechtigkeit und Brot sind unsere Ziele.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Politiker waren ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr Baden, wo es recht fr\u00fch zu einer ersten Zusammenarbeit zwischen Liberalen und Sozialdemokraten kam im so genannten \u201eGro\u00dfblock\u201c, einem gegen das Zentrum gerichteten erfolgreichen Wahlb\u00fcndnis. Dr.&nbsp; Monika Pohl bewertete dies so: \u201eDiese neue Parteien-Konstellation und ihr gefundener Konsens erregte Aufmerksamkeit \u00fcber die Grenzen Badens und stellte das weitest reichende politische Reformexperiment vor dem 1. Weltkrieg dar.\u201c Haas und Marum, erkl\u00e4rte sie, k\u00f6nnten als Repr\u00e4sentanten dieses neuen Weges gelten, die in einem historischen Schl\u00fcsselmoment ihre Karriere antraten und trotz langw\u00e4hrender Spannungen zwischen ihren Parteien, einer sehr verschiedenen Interessenslage und gro\u00dfer ideologischer Unterschiede sich aufeinander zubewegten und von dem Willen beseelt waren, der Demokratie mit Hilfe eines engen B\u00fcndnisses von fortschrittlichem B\u00fcrgertum und gem\u00e4\u00dfigter Arbeiterschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Eine historische Erkenntnis, die man in Bruchsal und vor allem im Sch\u00f6nborn-Gymnasium bislang kaum kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine besonders wichtige Epoche in der Geschichte dieser beiden politischen F\u00fchrer war die November-Revolution von 1918\/19. Da gelang Haas und Marum, so die Referentin, ein besonderes Bravourst\u00fcck einer neuen Politik, das \u201eBaden zu einem Ausnahmefall deutscher Revolutionsgeschichte machte\u201c. W\u00e4hrend am 9. November im Reich spontan die Republik ausgerufen wurde und sich die beiden Linksparteien die Macht mit den Soldatenr\u00e4ten teilten, war Haas und Marum an einer \u00fcberschaubaren, friedlichen Gestaltung des \u00dcbergangs vom monarchischen Obrigkeitsstaat zur Republik gelegen, die sie im Konsens zwischen b\u00fcrgerlich-demokratischen Kr\u00e4ften und der gem\u00e4\u00dfigten Arbeiterschaft zu regeln suchten. Es kam unter der F\u00fchrung der beiden zur Bildung einer vorl\u00e4ufigen badischen Volksregierung auf der Basis eines breiten B\u00fcndnisses, das von der USDP bis zu den Nationalliberalen reichte. Haas \u00fcbernahm in der elfk\u00f6pfigen Regierung den Posten des Innenministers, Marum den des Justizministers. Das Fazit von Monika Pohl: \u201eDie von Haas und Marum eingeleitete Weichenstellung in der B\u00fcndnispolitik, der fr\u00fch getroffene Klassenkompromiss im S\u00fcdwesten verschaffte den beiden Politikern einen herausragenden Platz in der Demokratiegeschichte des Landes. Sowohl Haas als auch Marum hatten mit ihrem besonnenen und ausgleichenden Kurs in der revolution\u00e4ren \u00dcbergangsphase dazu beigetragen, das Land zu stabilisieren und die Tragf\u00e4higkeit des Klassenkompromisses unter Beweis zu stellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem Vortrag skizierte die Referentin auch den weiteren politischen wie privaten Lebenslauf der beiden Protagonisten der fr\u00fchen deutschen Parteien-Demokratie, nat\u00fcrlich auch das schreckliche Ende von Ludwig Marum und seine Ermordung im KZ Kislau. Ein Schicksal, das Ludwig Haas erspart geblieben ist, denn er verstarb am 2. August 1930 nicht einmal 55-j\u00e4hrig in Karlsruhe. Nicht auszuschlie\u00dfen, dass er im Jahr 1934 auch Opfer des NS-Terrors geworden w\u00e4re und in der ber\u00fcchtigten Schaufahrt von Karlsruhe nach Kislau neben Marum auf der LKW-Ladefl\u00e4che h\u00e4tte sitzen m\u00fcssen. Diese dem\u00fctigende Fahrt f\u00fchrte auch durch Bruchsal, die Stadt, in der beide \u2013 Haas wie Marum &#8211; &nbsp;Volksschule und Gymnasium besuchten, bevor sie sich der Juristerei und danach der Politik verschrieben haben. Ein neues, bisher unbekanntes Kapitel in der Demokratiegeschichte von Bruchsal, Baden und ganz Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag der Historikerin Dr. Monika Pohl er\u00f6ffnet neue historische Perspektiven f\u00fcr Bruchsal Die Person Ludwig Marum ist derzeit in Bruchsal in vieler Munde, nachdem die Badische Landesb\u00fchne ihn k\u00fcrzlich in dem Theaterst\u00fcck von Hajo Kurzenberger \u201eLudwig Marum \u2013 Der Mann des Rechts\u201c aus der historischen Versenkung geholt hat. 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