Stellungnahme zu einem Bericht im Amtsblatt Bruchsal, Nr. 13, S. 3

„Fünfter Band zur Stadtgeschichte vorgestellt“
von Dr. med Dr. phil Jürgen Dick

Wie in dem Amtsblatt-Artikel berichtet, bilden „Biografien zu führenden Köpfen der Badischen Revolution von 1848/49“ den Schwerpunkt des neuen Sammelbandes der Kommission für Stadtgeschichte, der am 17. März in einer Veranstaltung der Kommission im Sitzungssaal des Bruchsaler Rathauses präsentiert wurde. Grundsätzlich ist es im Sinne der Ausgewogenheit zu begrüßen, dass dabei mit Johann Baptist Bekk auch eine historische Person vorgestellt wird, die vornehmlich versucht hat, die Revolution durch Reformen zu verhindern. Ich selbst habe eine Bekk-Biografie im Rahmen der Planungen zu diesem Sammelband vorgeschlagen. Im Sinne einer ausgewogenen Vorstellung des Bandes wäre es allerdings wünschenswert gewesen, bei der Veranstaltung auch die Biografien über die Demokraten Brentano, Hammer, von Corvin-Wiersbitzki, aber auch die Beiträge der Autoren Entzminger, Frey, Maisch, Birkle, Lang und Jung zumindest kurz zu erwähnen. So handelte es sich um eine mehr oder weniger exklusive Vorstellung eines einzigen Artikels aus dem Sammelband, bei der der Autor des Artikels, Professor Janssen, einen ausführlichen Vortrag präsentieren durfte.

Zum Amtsblatt-Bericht über diesen Vortrag sind einige Anmerkungen erforderlich: Wenn in dem Artikel davon die Rede ist, dass Bekk 1849 von „radikalen Kräften gestürzt wurde“, so kann man davon ausgehen, dass diese Begrifflichkeit bei vielen Lesern negativ konnotiert ist. Tatsächlich ist in der Geschichtsschreibung von „radikalen Demokraten“ die Rede, die sich selbst „entschiedene Demokraten“ nannten. Hierzu sei angemerkt, dass deren im Artikel genannten Protagonisten Hecker, Struve und Brentano im Offenburger Programm von 1847 Forderungen formulierten, die in unserem heutigen Grundgesetz wiederzufinden sind. Unerwähnt blieb auch, dass nur die Demokraten bereit waren, die von der Nationalversammlung der Paulskirche verabschiedete, aber vom preußischen König abgelehnte Verfassung zu verteidigen, während die konstitutionellen Kräfte, zu denen auch Bekk gehörte, diese Entscheidung der herrschenden Obrigkeit hingenommen haben.

Der Vortrag nahm im Wesentlichen Bezug auf den Bericht des dem gemäßigt-liberalen bzw. konstitutionellen Lager angehörenden Heidelberger Professors für Geschichte Ludwig Häusser.  Dessen ereignishistorisch ausführlich geschriebene Abhandlung verfolgt recht eindeutig das Ziel, die Aktivitäten der demokratischen Revolutionsregierung mittels einer unsachlichen und polemischen Kommentierung zu diffamieren. Die Behauptung des aktiven Sturzes von Bekk ist nicht korrekt. Tatsächlich hat sich Bekk im Zuge der durch den Rastatter Soldatenaufstand ausgelösten Flucht des Großherzogs zusammen mit anderen Ministern aus Baden abgesetzt. Als daraufhin in der Residenz Karlsruhe chaotische Zustände herrschten, bat der Karlsruher Stadtrat den Landesausschuss der Volksvereine mit Lorenz Brentano an der Spitze die Regierungsgeschäfte zu übernehmen.

Im Rahmen der dem Vortrag folgenden Diskussion habe ich in Form eines kritisch-konstruktiven Beitrags entsprechend eindeutig Stellung genommen, was allerdings in dem Artikel keinen Niederschlag gefunden hat.

Dr. med Dr. phil. Jürgen Dick

Quellen:

Ludwig Häusser: Denkwürdigkeiten zur Geschichte der badischen Revolution,Heidelberg 1851.
Alfred Frei, Kurt Hochstuhl: Wegbereiter der Demokratie: Die badische Revolution 1848/49.
Der Traum von der Freiheit, Karlsruhe 1997, S. 105-119.

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